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Artikel vom 14.05.2019 | zurück zur Übersicht

Vorurteile bestimmen Debatte um Mindestausbildungsvergütung

Dr. Michael Hoffschroer fordert Wertschätzung für engagierte Ausbildungsbetrieb.
Dr. Michael Hoffschroer fordert Wertschätzung für engagierte Ausbildungsbetrieb.

In dieser Woche berät das Bundeskabinett über die Reform des Berufsbildungsgesetzes und damit auch über die Frage der Einführung einer Mindestausbildungsvergütung.

Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Hoffschroer kommentiert:

„Auf Wunsch der Bundesregierung haben die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im April eine Mindestvergütung für Azubis im ersten Lehrjahr von 515 Euro vorgeschlagen.

Inwieweit dieses Vorgehen der Sozialpartner im Sinne der Tarifautonomie sinnvoll und vertretbar war, bleibt trotz vorsorglicher Regelungen im Gesetzentwurf abzuwarten. Im schlechtesten Fall wird die Azubi-Vergütung nun zum Spielball politischer Verhandlungen.

In der Debatte um eine Ausbildungs-Mindestvergütung werden auch darüber hinaus einige Fakten übersehen: So stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) bereits seit einigen Jahren fest, dass die Lehrlingsgehälter kräftig steigen. 2018 lag die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen im Schnitt bei 3,7 Prozent; im Jahr zuvor bei 2,6 Prozent.

Nach Angaben des BiBB lag die tarifliche Ausbildungsvergütung 2018 bundesweit bei durchschnittlich 908 Euro brutto im Monat. Zudem haben die Bildungsstatistiker festgestellt, dass insbesondere in Ausbildungsberufen, in denen in den letzten Jahren sehr viele Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, die Vergütungen 2018 stark angehoben wurden.

Die Tarifautonomie funktioniert also insbesondere auch in Zeiten des Fachkräftemangels. Und das ist gut so! Der Eingriff der Politik nützt allerdings nur Wenigen, schwächt aber die Sozialpartner und das Ausbildungssystem insgesamt. Dass der Bürokratie-Burnout für unsere klein- und mittelständischen Firmen sich hier weiter beschleunigt, sei nur am Rande angemerkt.

Aber dass einige Zeitungsredakteure nun wieder einen inzwischen längst veralteten Tarifvertrag der Friseure in Sachsen rauskramen und damit ein völliges Zerrbild des heutigen Ausbildungsalltags zeichnen, verwundert angesichts der oben genannten Zahlen dann doch. Zumal wir immer wieder feststellen, dass die Ausbildungsvergütung nicht der wesentliche Faktor für die Wahl des Berufes ist und gerade in unserer Region der Abschluss einer Ausbildung im Handwerk die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist und ein hervorragender Startpunkt einer steilen Karriere sein kann.

Wer Ausbildungsbetriebe dann noch mit Ausbeutern gleichsetzt, zeigt, welche Wertschätzung er engagierten Unternehmen, die gerade im Handwerk oftmals über den eigenen Bedarf ausbilden, entgegenbringt. Nämlich gar keine! Und das ist genauso falsch, wie eine Geringschätzung der Leistung der Auszubildenden.“

Eine aktuelle Stellungnahme des Zentralverband des Deutschen Handwerks zu diesem Thema finden Sie hier.